Willkommen auf meiner Website
Willkommen auf meiner Website

»Der Nationalsozialismus hat in der Demokratie mit der Demokratie die Demokratie besiegt.« So Hitler im Originalton.

Wie die Wahl in Deutschland mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt hat, ist heute im Jahr 2025 die Demokratie in Deutschland und vielen anderen Staaten der Welt wieder bedroht und von populistischen Ideologien durchsetzt. Vielerort hat sie sich bereits hin zu illiberalen, autokratisch-populistischen und faschistischen Staatsformen entwickelt.

Es ist Zeit die Demokratie neu mit Leben zu füllen.
Lesen sie dazu mein Buch:

Die Welt in Unruhe

 

Das Buch öffnet die Augen für das, was wichtig ist im Leben.
"Wenn wir Neues schaffen wollen, müssen wir uns von dem bloß passiv-betrachtenden Denken, dem Zukunft fremd ist, lösen. Wir müssen den Willen zum Verändern der Welt,in der wir leben aufbringen und den Mut haben, unser Wissen und Denken auf die noch ungewordene Zukunft ausrichten."
(aus: GUTES LEBEN, S. 330)

 

»Ich bin eine Frau. Ich fürchte den Tod und eure Marter.

Aber ich habe kein Schuldbekenntnis zu machen. Ist nicht die Meinungsfreiheit dem Menschen als wert-vollstes Erbe geweiht?«

So verteidigte sich Olympe de Gouges vor dem Revolutionstribunal in Paris. 

Unteres Bild:

Ehrung von Olympe de Gouges bei der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Paris 2024
als wichtige 'femme de lettre' und Politikerin während der französischen Revolution.

Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung dieser humanistischen und kämpferischen Frau, die ich in meinem biografischen Roman 'Warum nicht die Wahrheit sagen' zu Wort kommen lasse, in Vergangenheit und Gegenwart.

Piano Grande
Ein Roman über die Liebe in Zeiten der Krise.

 

Der Roman Piano Grande

zeichnet ein eindringliches Porträt des ersten Jahr-zehnt dieses Jahrhunderts, in dem die Finanz- und Wirtschaftskrise die Welt an den Rand des Abgrunds brachte.

Der Roman wirft auf dem Hintergrund einer großen Liebesgeschichte "einen sezierenden Blick auf die Gesellschaft und ihre Eliten..., die die Welt im Jahr 2008 in eine wirtschaftliche Kata-strophe geführt haben ..." (Wetterauer Zeitung)

 

Als vertiefende Ergänzung zu dieser Wirtschafts- und Finanzkrise empfehle ich Ihnen meinen Essay: Demokratischer Marktsozialismus. Ansätze zu einer bedürnisorientierten sozialen Ökonomie.

 

(Käthe Kollwitz)

 

Was ist das für ein demo-kratisches System, das unfähig ist, den Mord-versuch vom 6. Januar 2021 an ihrer Demokratie zu ahnden?

Unter Nice-to-now habe ich für Sie Ausschnitte aus der Rede von Trump zur Wahl und den Sturm auf das Kapitol zusammen-gestellt.

 

Besuchen Sie auch meine Autorenseite Henning Schramm  auf Facebook. Ich würde mich freuen, wenn sie Ihnen gefällt.

 

Ich möchte mich auch über das rege Interesse an meiner Homepage mit über 500.000

Besucherinnen und Besuchern bedanken.

                          Es ist höchste Zeit umzudenkem

Im Anschluss an die Diskursethik von Habermas und den moralischen Universalismus von Kant macht die US-amerikanische Philosophin Seyla Benhabib, die 2024 den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt bekommen hat, in ihren Analysen deutlich, dass ohne praktische Solidarität und gelebte Demokratie eine menschenwürdige Gesellschft nicht gewahrt werden kann.

In dem Buch 'Kulurrevolution von rechts', das als Standardwerk der Neuen Rechten gilt, hat deren Vordenker Alain de Benoist argumentiert,  dass "keine Veränderung der Macht möglich ist, wenn die Transformationen, die man im politischen Bereich herbeiführen will, nicht schon in den Geistern Wirklichkeit geworden ist".
Angesicht der Banalisierung des Bösen in Form des Rechtsradikalismus, die sich z.B. in den freimütig herausgegrölten Nazi-Sprechs "Deutschland den Deutschen", und "Deutsche Identität verteidigen" spiegeln, scheint diese fomulierte Strategie der Bedeutungsverschiebung von Norm- und Wertvorstellungen die Gesellschaft schon in erheblichem Maße durchdrungen zu haben. Populisten, autokratische und rechtsextreme Parteien und Gruppierungen nutzen die durch Ukraine- und Gazakrieg, Migrationsbewegungen, Inflationsängste und Klimakrise entstandenen Unsicherheiten in der Bevölkerung, um die diverse demokratische Kultur zu zersetzen und zu homogenisieren und die Lüge und den autokratischen Staat hoffähig zu machen.
Die Lüge zerstört die Vertrauenswürdigkeit des institutionellen Systems, das auf Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Solidarität basiert. Das Konzept einer homogenen, geschlossenen Gesellschaft, das alle Formen ethnischer, religiöser, sozialer, kultureller und ökonomischer Ausschlüsse und Abgrenzungen einschließt, führt zwangsläufig zu Rassismus und religiöser und sozialer Diskriminierung. In dessen Schlepptau entwickeln sich der autokratische Staat und neo-faschistische Herrschaftsmodelle: ohne Kontrollmechanismen, ohne Opposition, ohne funktio-nierende Rechtsstaatlichkeit, ohne Transparenz, ohne freie Medien. Solche totalitären sozialen Systeme verlieren zunehmend an Problemlösungskompetenz, und weil es nicht mehr angemessen auf innere und äußere Konflikte reagieren kann, steigt deren Repressivität. Ein Teufelskreis.

In einer offenen Gesellschaft sind Zweifel erlaubt. Meinungsverschiedenheiten kön-nen in einem fairen Wettstreit öffentlich ausgetragen werden. Die Unversöhnlichkeit der Fronten in der Gesellschaft und das sinkende Vertrauen in die demokratischen Institutionen signalisieren einen Mangel an Kraft und Mut, die Fronten mittels Verstand und Vernunft diskursiv aufzubrechen. Die grundsätzliche Zustimmung zur ‚Demokratie als Regierungsform‘ ist mit 96,3% laut einer Umfrage des ‚World Value Survey‘ im Zeitraum 2017-2022 hoch. Es kommt also darauf an, dieses Potenzial durch vernunftgesteuertes, verantwortungsvolles und mutiges Handeln seiner Bürgerinnen und Bürger und der Repräsentanten der politischen und parlamentarischen Institutionenzu nutzen. Sie sind der Sauerstoff der Demokratie und die Bürgen für eine bessere Zukunft.

Henning Schramm

Von Henning Schramm

 

Viele werden mit mir wahrscheinlich übereinstimmen, wenn ich sage: ich kann es nicht mehr hören, ich kann es nicht mehr ertragen. Alles ist gesagt über Faschismus, Autokratie und autoritären Populismus, die uns, hier in Deutschland, in Europa und in der Welt mit ihren rassistischen Ideologien, ihrer Menschenverachtung und ihren Gewaltfantasien jeden Tag erschaudern und nicht mehr ruhig schlafen lassen. Ist wirklich alles gesagt?

Es kann doch nicht hingenommen werden, dass die Demokratie in unserem Land sehenden Auges, in Wort und Bild von der AfD mit ihrer völkisch-rassistischen und faschistischen Ideologie zerstört wird. Auch wenn der Begriff Faschismus manchmal überstrapaziert wird, man muss die Dinge beim Namen nennen. Die AfD ist ihrem Gebaren, ihrem Auftreten, ihren schriftlichen und mündlichen Äußerungen nach eine faschistische Bewegung mit einem dazuhin starken nationalsozialistischen Kern. Und ich stimme mit Richard Sennett vollkommen überein, der in einem Interview mit Michael Hesse mit der Frankfurter Rundschau dieser Tage gesagt hat: wenn etwas faschistisch ist, muss man es auch so nennen, weil man sonst nicht versteht, was geschieht. Ohne die richtige Benennung verdrängt man die Realität. Es ist noch nicht alles gesagt und, vor allem, bleibt noch viel Raum zum Handeln im Sinne von Hannah Arendts radikaler These, dass Handeln bedeutet, etwas Neues in die Welt zubringen. Jeder Mensch ist selbst ein Anfang und jede echte Handlung setzt etwas Neues in Gang. Geschichte und Zukunft sind nicht determiniert, Menschen können immer neu beginnen. Totalitarismus ist der Versuch, diese Fähigkeit zu Neubeginn zu vernichten.

Es ist nicht nur ein Mangel am Handeln, sondern auch an Führungsstärke, wenn die politischen Köpfe in der Regierung und vorneweg der Regierungschef es nicht schaffen, auf der Basis der Fülle von Erkenntnissen, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und im Regierungshandeln um- und durchzusetzen. Ist die Demokratie wirklich so schwach, wie ihre Gegner es uns weismachen wollen! Oder haben sie recht damit, dass die Demokratie es nicht kann, dass sie, wenn es darauf ankommt, versagt. Dass Demokraten allesamt nur Schwätzer seien, die das Volk verkaufen, die damit richtig liegen, wenn sie die parlamentarische Demokratie, wie schon die Nazis, als Parlamentismus und Schwatzbude verhöhnen. Wie kann es geschehen, dass eine dumpf-emotionsgeladene, hasserfüllte, faschistische Bewegung wie die AfD in Deutschland, ohne dass sie einen Finger rühren müssen, von Monat zu Monat ihr Anhängerpotenzial vergrößern und die Amtsinhaber in den Kommunen, den Ländern und des Regierungsapparats dem Treiben hilf- und konzeptlos gegenüberstehen. Ja, es gibt eine große Bandbreite von Problemen, und es ist nicht leicht diese zu lösen, insbesondere diejenigen Probleme, die die politische Führung nur bedingt beeinflussen kann, wie etwa der von Putin angezettelte Krieg gegen die Ukraine, oder der von Trump vom Zaun gebrochene Irankrieg und die damit einhergehenden ökonomischen Folgen für Deutschland und die Welt. Da ist es für die AfD ein Leichtes, sich ins rechte Licht zu rücken. Sie muss nur auf das nicht erfüllte Versprechen, nämlich die wirtschaftliche Prosperität und den sozialen und materiellen Wohlstand voranzubringen, hinweisen. Ohne dass die AfD ein eigenes erfolgreiches Konzept vorlegen kann, reicht das offenbar vielen Wähler:innen das Land in einen rechtsradikalen Sumpf zu stürzen. Viele der derzeit herrschenden Problemfelder sind hausgemacht und seit langem bekannt – sowohl in Bezug auf die ihnen zugrundeliegenden Ursachen wie auch im Hinblick auf die Folgen für die Gesellschaft. Sie nicht einer Lösung zuzuführen, ist ein eklatantes Versagen und Führungsschwäche, das sich darin äußert, dass 87% der Befragten eine Infratest Dimap-Umfrage von April/Mai 2026 mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden sind. Wir haben zwar auf wissenschaftlicher, ökonomischer und parlamentarischer Ebene einen großen Pool von Sachverstand und Kompetenz in unserem Land, aber ein großes Defizit in der Umsetzung des Sachverstands in Politik. Um ein Land und eine Regierung wirklich zu führen, bedarf es besonderer Fähigkeiten. Eine solche Persönlichkeit mit entsprechendem empathischen Charakter, sozialer Kompetenz und politischer Autorität, die sich nicht nur im Parlament und Parteienapparat behaupten, Netzwerke aufbauen und Kampagnen führen, sondern regieren und Probleme lösen kann, ist zurzeit nirgends sichtbar.

Personen, die fähig sind zu regieren, zu führen und Politik zu betreiben, sind die eine Seite der Medaille. Aber dieser Personenkreis kommt in der Demokratie nicht ohne die Menschen, die sie wählen, an die Macht und in politische Ämter. Die Wähler sind die andere Seite der Medaille. Sie wählen aus und bestimmen, wer an die Macht kommt und welche Politik gemacht wird. Kann man dem anonymen Wählerwillen, dem wir letztendlich alle ausgesetzt sind, vertrauen oder stürzt er uns in seiner Inkompetenz, in seiner dumpfen Unfähigkeit ins Verderben? Zweifel sind angebracht. Der von Adorno in den 50er Jahren diagnostizierte deutsche autoritäre Charakter geistert sicher noch in vielen deutschen Köpfen umher. Wie kann es sonst sein, dass in einem Land wie Deutschland mit seiner mörderischen, nationalsozialistischen Vergangenheit, Menschen in so großer Zahl den Faschismus gutheißen und die AfD wählen, beziehungsweise wählen wollen, so dass die AfD in Gesamtdeutschland auf 27% der Stimmen kommt (Infratest Dimap April/Mai 2026) und auf Länderebene in Reichweite einer Alleinregierung zu sein scheint. Mögliche 40% an Wählerstimmen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 2026 sind Werte, die die Nationalsozialisten gerade einmal in ihren besten Zeiten bekommen haben. Was sind das für Menschen, die sich von menschenverachtenden, rassistischen, repressiv-nationalsozialistischen Bewegungen angezogen fühlen und deren Vertreter in politische Ämter hieven! Verachten sie mit den Andersdenkenden auch sich selbst? Was ist attraktiv an Unfreiheit an Unterwerfung, die sie für sich – und andere – wählen? Von Putin stammt sinngemäß die Losung: Lasst mir in der Politik alle Freiheit und Macht, dann lass ich euch in eurem Privatleben machen, was ihr wollt. Ist das die Lösung? In vielen Augen ist sie es offensichtlich.

Haben sich die Menschen, die rechtsradikal wählen, Gedanken über die Konsequenzen ihrer Wahlentscheidung gemacht? Ist ihnen die absehbare Konsequenz ihres Handelns bewusst? Wähler:innen, die Faschisten wählen, sind, auch wenn sie sich selbst nicht so sehen mögen, selbst Faschisten. Denn ganz offensichtlich ist es für solche Wählerschichten erstrebenswert, ihre Individualität an den Staat abzugeben, sich der Macht eines autoritären Führers zu unterwerfen und seiner Willkür ausgesetzt zu sein, statt ein Leben in einer Gemeinschaft anzustreben, nicht mit dem Gesicht einer Masse, sondern, wie das Ernst Bloch einmal formuliert hat, geprägt von intersubjektiver Solidarität, die von gleichem human-konkretem Zielinhalt erfüllt ist. Und diejenigen, die möglicherweise aus Protest, aus Unmut oder Angstgefühlen heraus rechtsradikal wählen, sind sie geschichts- und realitätsblind oder wollen nicht sehen, was sie mit ihrem Tun anrichten? Mit jeder ihrer Stimmen stärken sie die rechtsradikalen Kräfte in gleichem Maße wie die ideologischen Überzeugungstäter – und der Nationalsozialismus, wie auch der Faschismus und Autokratismus dieser Welt hat uns gezeigt und zeigt uns jeden Tag neu, mit welchem Geschick, welcher Geschwindigkeit und Gnadenlosigkeit die Faschisten und Autokraten ihre einmal errungene Macht institutionalisieren und repressiv verteidigen. Die Strategie der Faschisten war immer Demokratie zu simulieren, um sie zu unterwandern und dann abzuschaffen. Demokraten, die auf diese Strategie eingehen, besiegeln ihren Untergang

Auf diesem Hintergrund sind die Wähler:innen heute mehr denn je aufgefordert, sich den Konsequenzen ihres Handelns zu stellen. Für ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen. Immer wird es im demokratischen Verhalten um ein Abwägen von Gründen gehen. Ein Abwägen eigener Interessen und Bedürfnisse mit denen der anderen, dem physischem und sozialen Lebensumfeld und der politischen Gemeinschaft, in die beide Kommunikanten gemeinsam eingebunden sind. Die Frage ist, wie es gelingen kann, in einer Gemeinschaft mit Menschen ungleicher Meinungen und Lebensinteressen, die öffentlichen Interessen und privaten Bedürfnissen zusammenzuführen.

Jedes Handeln entfaltet Konsequenzen, die in ein Netz anderer Handlungen eingreift und erzeugt zwei existenzielle Probleme: was getan worden ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden (Unwiderruflichkeit) und die Folgen sind prinzipiell offen (Unvorhersehbarkeit). Jedes Handeln enthält also ein Versprechen und basiert auf Verlässlichkeit. Der Handelnde muss Verantwortung übernehmen für die Konsequenzen und er muss verzeihen können als Befreiung vom Unwiderruflichen. Die Grundlage dafür, dass Kommunikation und gemeinschaftliches Handeln im privaten und öffentlichen Raum gelingen können, liegt darin begründet, dass alle Handelnden prinzipiell ein Gemeinsames haben, nämlich dass sie Menschen sind, die gleichzeitig gleich und ungleich sind. Gleich hinsichtlich ihrer ethisch-existenziellen Grundbedingungen und Voraussetzungen und ungleich im Hinblick auf ihre individuellen Ausprägungen.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und bedarf der Gemeinschaft, um sich seinem Wesen entsprechend entwickeln zu können. Die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz bedürfen eines sozial-kulturellen Hintergrunds, bei dem die prinzipielle existenzielle Gleichheit des Menschen und seine gleichzeitige individuelle Verschiedenheit gleichermaßen zum Tragen kommen kann. Das liberale Prinzip der Besonderheit (der Individualität) weicht einerseits die Bindungskräfte der einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft untereinander auf, die soziale Angewiesenheit der Einzelnen strebt andererseits nach intersubjektiver Gemeinschaft, nach Gemeinsamkeit, in der gemeinsame humane Zielinhalte verwirklicht werden können. In diesem Spannungsverhältnis von Individuum und Gemeinschaft entwickelt sich das menschliche Bewusstsein, das Freiheit und Autonomie einfordert, die die Besonderheit und Verschiedenheit des Menschseins konstituieren, und verwebt sich zu einer gemeinschaftlichen Ganzheit, in der Gleichheit und Verschiedenheit gleichwertig nebeneinander existent sind. Die Gemeinschaft, in der die Menschen gleich und frei zugleich sind, genügt der Sozialität und Individualität als impliziten Qualitäten des Menschenseins. Die Institutionen des Staates sind aufgefordert, diese ethisch-existenziellen Qualitäten des Menschen und die sich daraus ergebenden Menschenrechte zu gewährleisten.

Die Philosophie hat über Jahrtausende über ethisch-existenzielle Grundvoraussetzungen des Menschseins gerungen. Im Kern schälen sich dabei folgende allgemeinen Konstituenten heraus:
Der Mensch ist niemals bloßes Mittel, sondern hat seinen Zweck in sich selbst (Kant). Diese Würde und Selbstzweckhaftigkeit, die jedem Menschen zusteht, ist unbedingt und nicht verdienstabhängig.
Der Mensch ist frei geboren (Rousseau) und muss für diese Freiheit Verantwortung übernehmen (Sartre/Camus), da er nicht unabhängig von der Gemeinschaft existiert. Menschsein bedeutet nicht einfach zu sein, sondern sich zu sich selbst und der Gemeinschaft zu verhalten.
Alle Menschen haben Vernunft (Kant) und sind gleich als Vernunftwesen, die sich wechselseitig die Fähigkeit nach Gründen zu urteilen und zu handeln, zuerkennen (Nida-Rümelin).  
Allen Menschen ist Neugier angeboren und mit ihr verbunden das Streben nach Wissen (Aristoteles).
Alle Menschen verfügen über einen Sinn für Gerechtigkeit (der auch bei Menschenaffen rudimentär zu beobachten ist) und streben nach Sicherheit und einem inneren physischen und psychischem Gleichgewicht, das konstitutiv für Wohlbefinden ist (Damasio).
Alle Menschen sind kommunikations- und empathiefähig und ihr Handeln und ihre Entwicklung ist existenziell auf Gemeinschaft und soziale Umwelt angewiesen. Sprache, Moral, Ordnung und Identität entstehen im Zwischen-Menschlichen einer Gemeinschaft. Der Mensch ist, aber er hat sich nicht, sondern wird erst (Bloch). Wer jemand ist, ist seine unverwechselbare Identität. Sie zeigt und konstituiert sich im Handeln. Handeln setzt die Anwesenheit anderer in einem öffentlichen Raum voraus – die anderen nicht als Publikum, sondern als Mithandelnde, die im Wettstreit um Meinungen, Überzeugungen und Perspektiven ringen. Das Handeln geschieht in einem agonistischen sozialen Raum (Hannah Arendt), in dem Pluralität und gesellschaftliche Konflikte nicht eingeebnet werden. Der soziale Raum als demokratische Arena, in der gegensätzliche und konfligierende Meinungen und Interessen im Wettstreit verhandelt werden und Verständigung angestrebt wird. „Die Pluralität ist die Bedingung menschlichen Handelns, weil alle gleich sind, das heißt menschlich, aber in einer Weise, die niemanden je einem anderen gleich macht“ (Hannah Arendt). Etwas andere Akzente setzt Habermas in seiner Theorie des kommunikativen Handelns. Das Handeln, der öffentliche Diskurs basiert bei ihm nicht auf Agonalität, sondern zielt bei ihm auf das Ringen um Wahrheit, auf Verständigung und Konsens als regulative Leitidee. Der Austausch von Argumenten strebt Verständigung und die diskursive Einlösung von Geltungsansprüchen an. Gültige Normen sind demnach nur solche, denen alle Betroffenen in einem herrschaftsfreien Diskurs zustimmen können.

Aus diesen ethisch-existenziellen Grundvoraussetzungen des Menschseins, ergeben sich die konstituierenden Prinzipien für die demokratische Gemeinschaft, in der sie leben. Sie bilden das Fundament und den Anspruch an eine funktionsfähige und die kollektiven Lebensinteressen spiegelnden Gemeinschaft. Eine solche Gemeinschaft setzt implizit voraus, dass der andere Mensch als gleichwürdig und gleichberechtigt anerkannt wird – nicht nur rechtlich, sondern als gelebte, sichtbare Haltung aller Mitglieder einer Gemeinschaft. Die demokratische Gemeinschaft fordert von dem Menschen die Zumutbarkeit des Dissenses und die Fähigkeit Widerspruch auszuhalten, ohne den anderen zu vernichten oder herabzusetzen als eine psychologische und ethische Leistung. Sie setzt abwägendes Handeln der Menschen oder Deliberation im Sinne Habermas‘ voraus, dass die Menschen der Gemeinschaft ernsthaft auf Wahrheit und Verständigung zielen, also nicht auf strategische und taktische Durchsetzung von Interessen.

Die Bürger:innen der demokratischen Gemeinschaft haben nicht nur allgemeine Rechte inne, sondern ein Recht auf Teilhabe und ein Handlungsrecht im öffentlichen Raum, das auf Offenheit für andere Meinungen, Haltungen und Überzeugungen und Verzicht auf den Absolutheitsanspruch der eigenen Weltanschauung (Pluralismustoleranz) basiert. Die Gemeinschaft kann ihrerseits Verantwortungsbereitschaft und Übernahme von Mitverantwortung ihrer Bürger:innen erwarten (Rechtsgehorsamkeit aus Überzeugung). Die Funktionsfähigkeit einer solchen Gemeinschaft ist nur gewährleistet, wenn die Bürger:innen ihre Institutionen nicht nur als Mittel zum Zweck akzeptieren, sondern, weil sie das Prinzip für richtig halten und sie aus ethischer Überzeugung heraus stützen.

Das Dilemma einer solchen skizierten Gemeinschaft ist: sie ist auf ‚tugendhafte‘, also ethisch anspruchsvolle Bürger:innen angewiesen, kann aber diese demokratische Tugenden nicht erzwingen, ohne sich selbst zu widersprechen. Anders gesagt, sie basiert auf ethischen Grundvoraussetzungen, die die Gemeinschaft jedoch nur bedingt selbst herstellen kann. Daraus ergibt sich die Frage, wie eine politische Gemeinschaft, die Staatsform (Monarchie/Republik) und die Regierungsform (Demokratie/Autokratie) aussehen müsste, die den skizzierten ethisch-existenziellen Grundbedingungen des Menschen am besten gerecht wird, und die den Menschen der jeweiligen Gemeinschaft eine Struktur und Handlungsrahmen bereitstellt, in denen sie ihr Menschsein leben können und motiviert werden, die dafür notwendigen Qualitäten zu entfalten und zu entwickeln.

Schaut man sich in der Welt um, so haben sich hauptsächlich die republikanische Staatsform und zwei konkurrierende Regierungsformen über den Erdball etabliert. Das sind einmal der ‚Postliberale Autokratismus‘ mit seinen vielen Ausprägungsformen von Faschismus bis autoritärem Populismus und zum anderen die ‚Liberale Demokratie‘. Der postliberale Autokratismus ist auf dem Vormarsch und verdrängt in zunehmendem Maße liberale Demokratien. Nach dem Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (2026) sind 56 Prozent der Panel-Länder autokratisch regiert. Vor 20 Jahren waren die Anteile umgekehrt. 55 Prozent der Länder waren Demokratien.

Der Autokrat verspricht den Menschen unter seiner repressiven Führung Sicherheit und wirtschaftliche Prosperität. Wenn letzteres nicht eintrifft, ist nicht der Führer schuld, sondern Minderheiten und außerhalb der Gemeinschaft stehende, meist ausländische Kräfte. Die eigentliche Triebfeder der Autokraten ist Machterhalt. Sie betrachten die Macht als Privateigentum und bedienen sich einem extrem exekutiv-lastigen, informellen Führungsstil, bei gleichzeitiger Herabstufung der Beteiligung des Volkes als stiller Teilhaber oder Komplizen des Systems. Der Autokrat misstraut dem Volk, unterdrückt alle Individualität und eigenständigen, unabhängigen zivilgesellschaftlichen Bewegungen und predigt einen Kult der Unmittelbarkeit, der die kontrollierender Institutionen ausschaltet oder gleichschaltet. Die Autokrat belohnt Gefolgschaft, setzt auf das Duckmäusertum der Ängstlichen und hofft auf Trägheit im Denken und Mutlosigkeit im Handeln der Untertanen. Der autoritäre Führer versucht mit hohem propagandistischen Aufwand die ethnische und kulturelle Überlegenheit gegenüber anderen durchzusetzen. Er fordert Unterwerfung und Loyalitätsbeweise und folgt einer Kultur der Lüge, der Gefolgschaft, der Dämonisierung von Gegnern, dem Verbot von Komplexität, einer Ästhetik der Demütigung und dem Gedanken ‚nach mir die Sintflut‘.

Unter diesen Bedingungen, die allen ethisch-existenziellen Grundbedingungen des Menschseins, von Würde, Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit Hohn sprechen, stellt sich die Frage, wie sich der Autokratismus in all seinen Spielformen in dem Ausmaße in der Welt ausbreiten und auch in Deutschland Fuß fassen konnte.

Im Weltmaßstab tendieren, wie bereits gesagt, viele bevölkerungsreiche und wachstumsstarke Staaten des globalen Südens und Ostens nicht zu liberalen Demokratien westlicher Prägung. Viele dieser Staaten mussten sich auf dem Hintergrund ihrer kolonialen, autoritären Vergangenheit heraus innerhalb weniger Jahre entwickeln und staatliche Strukturen ausbilden. Andere sind stark durch historisch bedingte monarchische oder tribalistische Strukturen geprägt, die bis heute nicht überwunden sind und offen oder unterschwellig das Sozialverhalten, die Machtverhältnisse, Loyalitätsstrukturen und Ressourcenverteilung bestimmen. Nicht so sehr staatliche Institutionen lenken und gebieten in tribalistischen Gemeinschafen über das politische und soziale Leben, sondern Blutsverwandtschaft, Klans oder ethische Gruppen. Diese stützen sich auf Normen und Werten, die eher autokratischem, denn demokratischem Verhalten affin sind. Neben den historisch gewachsenen Strukturen erheischen die Krisen der Welt, wie Pandemie, Klimakatastrophen und Kriege, ein effizientes Handeln und schnelle Entscheidungen, das eher Autokratien zugeschrieben wird als Demokratien. Letztere erscheinen in dieser Hinsicht oftmals als handlungsunfähig, zerstritten und langsam. Wachsende Ungleichheit, Deindustrialisierung, kulturelle Destabilisierung signalisieren darüber hinaus eine Versagen der liberalen Versprechen nach Sicherheit, Wohlstand und Konsum. Das liberale System hat für viele nicht geliefert. Viele haben das Gefühl abgehängt und benachteiligt zu sein (relative subjektive Deprivation). Das Vacuum versuchen Autokraten zu besetzen. So ist durch Polarisierung, Vertrauensverlust und autoritären Populismus seit 2006/2007, so Larry Diamond, ein globaler Rückgang von Freiheit und demokratischer Regierungsführung und damit einhergehend weltweit eine Phase des Auflebens autoritärer Tendenzen (‚democratic recession‘) zu beobachten.

Was für Argumente hat die liberale Demokratie, mit denen sie diesem Trend entgegentreten kann?
Die demokratischen Institutionen sind gefordert, über entsprechende Angebote, wie politische Teilhabe, Aufklärung und politische Bildung in Schulen und Einrichtungen der Erwachsenen-bildung auf die Bürger:innen einzuwirken. Dem steht konträr entgegen, der Vorschlag der Ministerin Prien 200 Projekte zur Demokratieförderung einzustellen. Die Politik ist aufgefordert, ihre Bemühungen zielgenau auf die Bedürfnisse ihrer Bürger:innen auszurichten und die Parteien und Bewegungen, die programmatisch und in der täglichen Praxis die Demokratie zu zerstören beabsichtigen, mit allen gebotenen Mitteln, auch mit einem Verbot, zu bekämpfen. Während Autokratien mehr auf Imitation und Ressourcenextraktion bauen, können liberale Demokratien aufgrund der ihr inhärenten freiheitlichen, kreativen Strukturen prinzipiell mehr wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt und langfristige Innovationskraft erzeugen. Die innere Stabilität ist, anders als es vordergründig erscheint, bei Autokratien langfristig aufgrund von Nachfolgeproblemen, Korruption, Informationsverzerrungen nach oben, mangelnder Fehlerkorrekturmechanismen und Legitimationsproblemen fragil. Legitimität muss dauerhaft simuliert und erzwungen werden, was langfristig hohe Kosten verursacht, und eine permanente Bedrohung des System bedeutet. Freiheit, Würde, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit sind attraktiv und haben trotz aller Fehler, Nöte und Ungerechtigkeiten der Demokratie universelle Anziehungskraft, so dass sich Individuelle Freiheiten auf die Dauer nur mit hohem Aufwand unterdrücken lassen, und virulent immer eine Gefahr für den Autokratismus darstellen.

Entscheiden wird sich der Wettstreit der Systeme auf den Feldern individuelle Freiheit, Wirtschaft, Technologie, Sicherheit und innere Erneuerungsfähigkeit. Kann ein Staat auf Dauer gegen die Würde des Menschen, gegen das Streben nach individueller Autonomie, den Gleichheitsgrundsatz, gegen politische Teilhabe bestehen? Kann ein autokratischer Staat wie zum Beispiel China sein wirtschaftliches Modell eines gelenkten Kapitalismus, sein Wirtschaftswachstum mit dem Versprechen Wohlstand und Konsum unter repressiven Bedingungen aufrechterhalten? Inwieweit ist der autokratische Staat in der Lage, der Balance von Freiheit und Sicherheit zu genügen, und den Einzelnen nicht durch soziale Totalüberwachung in seinem Wunsch nach individueller Freiheit zu kujonieren und einen Entfremdungsprozess und Vertrauensverlust einzuleiten? Kann eine Autokratie auf die Dauer gegen die ethisch-existenziellen Grundbedürfnisse des Menschen Bestand haben? Anders gesagt, wird sich der Mensch, der sich seiner existenziellen Grundlagen bewusst ist und diese auch leben will, auf lange Sicht einem System unterwerfen, welches ihm diese grundlegenden Menschenrechte abspricht. Es wird eine wichtige Aufgabe der Demokratien sein, dieses Bewusstsein bei jedem Einzelnen zu entwickeln und so ein demokratisches Selbstverständnis und Erkenntnisinteresse zu etablieren, das zu schützen jedem Einzelnen zu einem persönlichen Anliegen wird.

Der Schlüssel zu dieser Erkenntnis liegt im kommunikativen Handeln, das konstitutiv für das menschliche Sein und die Bewusstseinsbildung ist.
Treten sich zwei Menschen als unbekannte Subjekte gegenüber und wissen nichts von dem oder der anderen, außer eben, dass er oder sie ein Mensch ist, wird eine prinzipielle gegenseitige Verständigungsbereitschaft vorausgesetzt. Dies basiert auf dem, dass beide Mensch sind. Es ist die erste wichtige Gemeinsamkeit zwischen zwei Menschen und ermöglicht Kommunikation auch ohne den anderen zu kennen oder zu sehen, wenn Sie zum Beispiel ein Buch oder diesen Essay lesen und in einen geistige Auseinandersetzung mit einem Autor eintreten. Kommunikation funktioniert aber auch ohne Sprache auf der Basis der Gleichheit der Menschen, die Verschiedenheit akzeptiert. Zwar nicht so detailliert wie unter Zuhilfenahme der Sprache, aber immerhin so weit, dass wir über Mimik, Gestik, Körpersprache und Lautmalerei unsere grundlegenden Gefühlsäußerungen gegenseitig austauschen können. Die Basisemotionen wie Trauer, Freude, Zorn, Ärger, Wut, Angst, Ekel, Überraschung und Verachtung sind universell und kulturübergreifend. Sie geben mir erste Einblicke in die Bedürfnisse und Erwartungen der anderen und ermöglichen es mir wiederum, mich und meine Wünsche auszudrücken. Sie bilden das erste Fundament einer jeden Beziehung und im weiteren Sinn einer Gemeinschaft.

Ein Baby äußert auf diese Weise seine Bedürfnisse und die Mutter oder der Vater antworten entsprechend. Aus dieser Kommunikation entwickeln sich Erwartungen und Erwartungs-Erwartungen und, werden die Erwartungen im Zeitablauf erfüllt, Bindungen und Vertrauen. Das Prinzip der Gegenseitigkeit (Reziprozität) ist eine tief verwurzelte menschlich Norm (und auch im Tierreich rudimentär beobachtbar) und fördert Kooperation, Bindung und Vertrauen. Wird dieses Prinzip durchbrochen, wenn zum Beispiel die Mutter Erwartungen ständig nicht erfüllt, oder wenn sie lächelt, aber gleichzeitig einen Nahrungswunsch verweigert, kommt es zu Enttäuschungen und Dissonanzen. Das Miteinander, das Vertrauen und die Bindungen werden belastet oder in schweren Fällen zerstört. Mit dem späteren Spracherwerb ist eine extensive Ausweitung des Kommunikationsraums verbunden – aber auch der Gefahr von Fehldeutungen, Dissonanzen und Enttäuschungen. Die Ausweitung des Beziehungsraums durch außerfamiliäre Freunde und Bekannte  erweitert den Erfahrungshorizont und das Wissen über andere Menschen, aber auch die Gefahr, dass Erwartungen nicht erfüllt werden. Die Gleichheit wird mit steigendem Alter und der räumlichen Distanz zum anderen zugunsten der Besonderheiten des Menschen durchbrochen. Der für das Individuum wichtige psycho-soziale Resonanzraum, der für die individuelle Entwicklung wichtig ist, ist in großen staatlichen Gemeinschaften keine Selbstverständlichkeit mehr und nimmt umso mehr ab, je weiter sich der soziale Rahmen aufspannt und die Mitmenschen nur noch abstrakt, vermittelt über Medien in Erscheinung treten. Im Erwachsenendasein treten sich zunehmend Menschen gegenüber, die eine eigene Individualität ausgebildet haben und diese Autonomie mit subjektiven Gründen, Meinungen, Auslegungen und Wertungen verteidigen. Menschen, mögen sie sich auch in vieler Hinsicht ähneln, sind doch sehr darauf bedacht, sich nicht zu ähneln.

In einer demokratischen Gemeinschaft ist die Pluralität der Meinungen im öffentlichen Raum Prinzip. Die Äußerungen, die durch Stellungnahme, Dafürhalten, Beurteilung oder Wertung geprägt sind, sind zu respektieren, wenn ihnen nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. Jeder und Jede soll den Mut aufbringen sich seines Verstandes zu bedienen (Kant), allerdings unter Berücksichtigung der heute existierenden erkenntnistheoretischen Ungleichheiten zwischen Wissenschaftlern, Experten und Laien. Die Komplexität der faktischen Sachverhalte ist so groß, dass der Laie oft nicht mehr in der Lage ist, die Wahrheit und Evidenz einer Aussage auf einem bestimmten Fachgebiet selbst zu verstehen und prüfen zu können. Er muss deshalb das fachliche Selbst-Denken zugunsten des Nachvollziehen Könnens der Expertenmeinung, die in der Regel die Evidenzlage und relevanten Gründe besser einschätzen können, zurückschrauben. Es wurde experimentell nachgewiesen, dass Menschen sich umso mehr überschätzen, je weniger sie wissen (David Dunning). Für den Diskurs der Laien wird stattdessen zunehmend wichtig, welchen Experten sie vertrauen können. Schon in Schulen sollten die Schülerinnen und Schüler lernen, so der Autor des Standardwerkes „Analytische Einführung in die Erkenntnistheorie“ Thomas Grundmann in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 30. Mai 2026, sich in einer komplexen Informationswelt zu orientieren. Sie und ebenso die Erwachsenen müssen lernen, welchen Experten man unter welchen Umständen vertrauen kann, was ein Expertenkonsens bedeutet und wie man mit wissenschaftlichem Dissens umgeht. Die Faktenfrage sollten wir Laien den Experten überlassen. Die normativen Konsequenzen einer wissenschaftlichen Fakts können Experten allerdings nicht vorgeben. Diese zentralen Fragen müssen in der Demokratie öffentlich und politisch diskursiv diskutiert und entschieden werden. Im politischen Handeln, bei dem Äußerungen, Meinungen und Faktenwissen in die Öffentlichkeit treten und dort allgemein wirksam werden, also die Lebensinteressen der Mitmenschen beeinflussen, sind der Akzeptanz Grenzen gesetzt. Man muss sie nicht hinnehmen, wenn die ethisch-existenziellen Bedingungen des Menschseins verletzt werden. Das Politische ist durch Gemeinwohlorientierung konstituiert (Nida-Rümelin). Ist diese im politischen Handeln nicht mehr gegeben, ist die Demokratie gefordert sich gegen ihre Feinde zu wehren. Die Bürgerschaft muss demokratische Verantwortung übernehmen. Die Demokratie stirbt zuerst in den Herzen und Köpfen ihrer Bürgerschaft. Wenn die Bürger:innen apathisch werden, alles hinnehmen und nicht mehr wählen, wenn Lüge nicht mehr von wahren Informationen unterschieden werden, wenn sie den demokratischen Institutionen nicht mehr vertrauen und wenn sie den anderen nicht mehr als legitimen Mitbürger anerkennen, dann ist die Demokratie verloren.

Der stärkste Schutzwall für Demokratie ist kein Appell, kein Gesetz und kein Gericht, sondern die Überzeugung der Mehrheit, dass Demokratie besser als jede Alternative ist. Die Überzeugung entsteht durch die Erfahrung, dass demokratische Institutionen – mit all ihren Unvollkommenheiten, Zumutungen und Langsamkeiten – ihre Versprechen einlösen, die Interessen ihrer Bürger:innen wirklich schützen, das Leben lebenswert machen, dass die eigene Stimme zählt, dass Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit möglich sind. Kernaufgabe der Demokratieverteidigung ist deswegen die Förderung und die politische Gestaltung eines mehrschichtigen Schutzsystems sich gegenseitig stützender Elemente auf ethisch-kultureller Ebene (Förderung demokratischer Tugenden, Bildung),  gesellschaftlicher Ebene (soziale Bewegungen, Medien, Gewerkschaften), institutioneller Ebene (funktionierende Gewaltenteilung, Föderalismus, Medien, unabhängige Behörden), konstitutioneller Ebene (Verfassungsgericht, streitbare Demokratie) und internationaler Ebene (Menschenrechtskonventionen, demokratische Solidarität). Ziel ist die Förderung der Resilienz des demokratischen Subjekts und einer demokratischen Identität, als eine innere Haltung in konkreten Situationen für demokratische Werte und eine demokratische Lebensform einzustehen. Dazu gehört die Herausbildung einer epistemischen Bescheidenheit, wie die Infragestellung von Wissen und Überzeugungen, die differenzierte Urteilsfähigkeit, kritische Medien- und Informationskompetenz und Frustrationstoleranz. Letzteres insbesondere auch deshalb, weil die Wähler bei jedem Wahlakt überwiegend Minderheiten wählen (einzelne Parteien), die erst in einem zweiten Schritt durch Koalitionen zu einer Mehrheit zusammengeführt werden. Diese repräsentieren naturgemäß dann nicht mehr im vollen Umfang den einzelnen Wählerwillen, was zu Enttäuschungen führen kann und besonderer Führungsfähigkeiten bedarf, eine konsistente Regierungsplattform zu erarbeiten und nach außen zu vertreten.

Die Demokratie als ethisch-existenzielle Lebensform bedarf Menschen, die sich ihrer selbst sicher sind, die wissen, was Menschsein bedeutet und welche Voraussetzungen für ein lebenswertes Leben notwendig sind. Das ist das Dilemma der Demokratie. Sie setzt Haltungen und Einstellungen der Menschen voraus, die sie selbst nicht zu erzeugen vermag. Entscheidend für die Demokratie wird also sein, Erfahrungsräume bereitzustellen, in denen solche demokratieadäquaten Lebensformen und Einstellungen sich entwickeln können. Soziale, kulturelle, ökonomische und politische Räume in denen unmittelbar sinnlich erfahrbar wird, was gutes Leben bedeuten kann und was dazu notwendig ist, um dieses zu verwirklichen.

Das neoliberal-libertäre Versprechen ist eine Lebensform, in der der Entwicklung des Ich absoluter Vorrang vor dem Wir eingeräumt wird. Es zerstört Solidarität und blendet das Versprechen von Gerechtigkeit bewusst aus. Dem entspricht der neoliberale, ungesteuerte Kapitalismus, mit einem Staat als Agenten privater Interessen (wie er vielfach in den USA etabliert ist). Das faschistische Versprechen ist die Unterordnung des Einzelnen unter die Macht eines Führers im Sinne: der Einzelne ist nichts, das Volk ist alles. Das faschistische Versprechen, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, es führt stets in die Hölle. Das demokratische Versprechen ist eine Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen kollektiver und individueller Autonomie (Nida-Rümelin), in der beide aufeinander abgestimmt zu ihrem Recht kommen und eine dem Menschen adäquate Plattform für ein lebenswertes Dasein zur Verfügung steht.

Im Folgenden will ich versuchen, eine solche demokratische Plattform zu skizzieren:
Der Mensch ist, wie bereits betont, wesentlich handelndes und kommunikatives Wesen. Er erscheint in der Welt durch Rede und Tat. Er setzt durch sein Handeln Neues in Gang und trägt Verantwortung für eine gemeinsame Welt. In der Sprache selbst liegt der Keim der Vernunft, der Verständnisorientierung und des herrschaftsfreien Diskurses. Demokratie ist nicht äußerlich zum Menschen, sondern Ausdruck seiner tiefsten Möglichkeiten. Sie ist die politische Form, in der kommunikative Vernunft institutionelle Gestalt gewinnt. Daraus leitet sich Demokratie als eine Lebensform mit anthropologischer Tiefe ab, die täglich geübt, verteidigt und erneuert werden muss. Sie setzt einerseits einen bestimmten Menschentyp voraus und bildet andererseits diesen Menschentyp. Dieser demokratische Zusammenhang ist zugleich die Stärke wie auch die Verwundbarkeit der Demokratie. Die ethisch-existenziellen Grundlagen dieses Menschentyps sind zusammengefasst Würde, Freiheit, Verantwortung, Selbstbestimmung, Sozialität und Vernunft. Ebendies sind auch die Grundpfeiler der Demokratie. Die Demokratie ist die Regierungsform, die den Menschen nimmt, wie er ist: plural, fehlerhaft, frei, auf andere angewiesen und fähig zu Vernunft – aber eben auch zu Unvernunft. Nicht jeder Mensch genügt dem Anforderungsprofil der Demokratie oder kann sich aufgrund seiner Erfahrungen in der Alltagspraxis für eine andere Lebensform entscheiden. Er wird sich dann von der Demokratie abwenden und möglicherweise unumkehrbar für die Autokratie entscheiden, wie das wohl beim harten Kern der AfD-Wähler der Fall ist. Für die nur Frustrierten, die Protestierer und Unentschiedenen scheint eine Umkehr möglich durch positive Demokratierfahrungen in der Alltagspraxis oder durch entsprechende Angebote in politischer Bildung und politischer Gestaltungsmöglichkeiten und Teilnahme.

Drei miteinander verflochtene grundsätzliche Bedrohungen der Demokratie lassen sich herausfiltern.

Das ist erstens der aufkommende postliberale Autokratismus als Symptom innerer Schwäche. Dort wo die Demokratie ihre Versprechen nicht einlöst, entsteht ein Vakuum, das Autokraten mit autoritären populistischen simplen Lösungen und dem Angebot starker Führung und dem Versprechen von schnellen Entscheidungen füllen. In vielen Bereichen klafft eine spürbare Lücke zwischen Anspruch (Legitimität) und wahrgenommener Umsetzung (Performance), insbesondere in Bezug auf die Parteien. Lediglich 17 Prozent der Befragten sind mit dem praktischen Funktionieren der Parteien zufrieden (Demokratiemonitor der Bertelsmann Stiftung 2026.)

Zweitens ist das der ungezügelte Kapitalismus, der mit seiner inhärenten Wachstumsideologie die Ungleichheit vergrößert und zum Scheitern verurteilt ist. „Ein Wirtschaftssystem, in dem Einkommen aus Kapital schneller wachsen als durch Arbeit, muss aus einfachen mathematischen Gründen irgendwann kollabieren,“ so der Publizist Helmut Creutz. Der Kapitalismus und die Demokratie folgen gegensätzlichen Logiken. Kapital konzentriert Macht, verschärft durch den Finanzkapitalismus, der die bestehenden Konzentrationstendenzen der Macht verstärkt; Demokratie verteilt sie. Kapital denkt überwiegend kurzfristig und folgt den Kapitalinteressen privater Personen; Demokratie braucht Langfristverantwortung und ist den Interessen der Gemeinschaft verantwortlich. Kapital formt Konsumenten und Abhängigkeiten; Demokratie formt Bürger:innen, die über sich selbst hinausdenken.

Drittens bedroht die Innere Erosion den Bestand der Demokratie. Sie höhlt sie und ihre Institutionen von innen aus durch Politikverdrossenheit, Ressentiment, Vertrauensverlust, Polarisierung, Rückzug ins Private und einer Tendenz zu Zynismus und Emotionalisierung. Sie verliert an Attraktivität und ist bereits beschädigt, bevor ein einziges Gesetz gebrochen ist, wenn die Bürger:innen aufhören zu glauben, dass ihre Stimme zählt, wenn der andere nicht mehr als legitimer Mitbürger, sondern als Feind gesehen wird, wenn Wahrheit zur Verhandlungssache wird. Die Wahrheit ist frei und ungebunden und nur dann ist Freiheit wahr.

 

Die Krise der Demokratie ist heute weniger eine Krise der demokratischen Institutionen als des demokratischen Subjekts. Der Kapitalismus formt Konsumenten, der Autokratismus Untertanen, die digitale Öffentlichkeit reaktive Empörungsmaschinen. Diese können die Demokratie nicht tragen. Die Demokratie muss sich der Einengung des Menschseins entgegenstellen, indem sie das Bürgertum stärkt und die Menschen in ihrem ethisch-existenziellen Menschsein ernst nimmt, indem sie ihre spezifischen inneren, wertvollen Ressourcen, die der Autokratismus nicht hat, mobilisiert: Die Verantwortung für das Besondere und das Gemeinsame, die Fähigkeit zur Selbstkorrektur, die normative Attraktivität von Freiheit und Würde, die Erneuerungskraft und zivilgesellschaftliche Energie, die Wahrheitsorientierung und die Fähigkeit neu anzufangen, die jede Generation in sich trägt.

 

Demokratie als das dauernde Projekt,

die menschliche Würde zu bewahren und in Form zu bringen.

Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

 

 

Unterhalten Sie Ihren Besucher! Machen Sie es einfach interessant und originell. Bringen Sie die Dinge auf den Punkt und seien Sie spannend.


Druckversion | Sitemap
© Henning Schramm