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Neu: Das Buch über Olympe de Gouges und die Französische Revolution

'Warum nicht die Wahrheit sagen'

ist jetzt auch zum günstigen Einführungs-preis von nur 2,99€ als E-Book erhältlich.

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Neu: Flammenbilder ist jetzt auch als E-Book zum günstigen Einführungspreis von nur 1,99€ erhältlich.

 

Neu: Der Frauenakt ist jetzt auch zum günstigen Einführungs-preis von nur 1,99€ als E-Book erhältlich.

 

 

(Käthe Kollwitz)

 

Die rechtsradikalen Umtriebe bleiben, wie Halle wieder einmal in aller Brutalität gezeigt hat, aktuell und explosiv.

Lesen Sie zu dieser Thematik meinen Roman 
     FLAMMENBILDER

und den Essay

Mehr Mut braucht die Gesellschaft.

 

Als Literatur zu dieser Thematik empfehle ich auch Madeleine Albright: Faschismus. Eine Warnung.

(Eine kurze Buch-besprechung finden Sie hier unter Buchbesprechungen.)

Banken-crash und Finanzkrise

2008

 

 

 

Es ist jetzt über 10 Jahre her, dass die Finanzkrise die Welt erschütterte ... und wie wenig ist seither passiert.

Zu diesem denkwürdigen Geschehen von damals möchte ich Sie an meinen Roman Paula M. erinnern, in dem ich, so die Wetter-auer Zeitung vom 1. 12. 2012, "einen sezierenden Blick auf die Gesellschaft und ihre Eliten werfe, die die Welt im Jahr 2008 in eine wirtschaftliche Kata-strophe geführt haben. In den Personen spiegeln sich die existenziellen Anfecht-ungen und Herausfor-derungen der Menschen in einer von ökonomischen Interessen überlagerten Welt..."

Weiter empfehle ich dazu meinen Essay: Demokratischer Marktsozialismus. Ansätze zu einer bedürnisorientierten sozialen Ökonomie.

 

Theodor W. Adorno in Frankfurt bei einem Vortrag im Studierenden Haus im Jahr 1968.

Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre 1968er

empfehle ich Ihnen/Euch als Lekture meinen Essay:
Wirkungsgeschichte und politische Rezeption der Kritischen Theorie in den 60er Jahren.

 

Besuchen Sie auch meine Autorenseite Henning Schramm  auf Facebook. Ich würde mich freuen, wenn sie Ihnen gefällt.

Ich bedanke mich über das rege Interesse an meiner Homepage mit jetzt über 160.000 Besucherinnen und Besuchern.

Frankfurt 1968 (S.170-177)
...
Frankfurt wirkte wie ein Kulturschock auf mich, stellte fast eine Art Gegenwelt dar. Kein Vergleich zu Mainz, der zugänglichen und behäbigen Stadt. Ich empfand Frankfurt als hektisch, verwirrend, undurchsichtig, politisiert, unpersönlich, kalt. Auf einfühlende Hilfe, auf menschliche Wärme glaubte ich hier nicht bauen zu können ... Die vom Krieg arg zerzauste Bankenmetropole Frankfurt war damals beherrscht von einer ansteckenden wirtschaftlichen und politischen Dynamik. In der kapitalgerecht wieder aufgebauten Stadt rief die von Profitinteressen angetriebene galoppierende Wohnraumzerstörung, vor allem im Frankfurter Westend, den Widerstand der Studierenden, die die Wohnungsnot unmittelbar zu spüren bekamen, hervor. Das Kapital, verkörpert durch Spekulanten auf dem Immobilienmarkt, traf auf die sich herausbildende antiautoritäre Studentenbewegung, die sich diesen im Häuserkampf im Westend entgegenstellte. Hinzu kamen die Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg und die Ausbeutung der Dritten Welt, die seit dem Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April dieses Jahres flächenbrandartige Ausmaße angenommen hatten. Die Stadt und noch mehr die Universität waren politisch aufgeladen. Privatheit wurde deprivatisiert, Öffentlichkeit privater Verfügungsgewalt unterworfen. Rückzug in Privatheit war verpönt, galt als spießig, kleinbürgerlich. Es herrschte ein anti-individualistischer Geist. Alles Private war politisch. Ein Punkt, den ich zwar theoretisch nachvollziehen konnte, aber in der Praxis ablehnte. Ich konnte ohne privaten Raum um mich herum nicht leben. Es dauerte eine Weile, bis ich einigermaßen verstand, was um mich herum geschah. Wie viele andere meiner Generation war ich durch den Vietnam-Krieg politisch bewusster geworden. Die täglichen Horrormeldungen, brennende Kinder, Massaker in My Lai, B-52-Bomber über dem geschundenen Land, tägliche Todesmeldungen von Amerikanern und Vietnamesen, vor allem Vietnamesen (über zwei Millionen Tote sollten es bis Ende des Krieges werden), störten empfindlich mein Gerechtigkeitsgefühl und Demokratieverständnis. Mein Mitgefühl für die Unterdrückten wurde geweckt und erstreckte sich nicht nur auf die gesamte Dritte Welt, sondern auch auf die sozial Benachteiligten in unserer eigenen Gesellschaft. Ich suchte nach Ursachen, Strukturen und nach Lösungswegen aus diesem Unrecht ... Die elitär-dünkelhaften, manchmal auch zynischen Verhärtungen, die später die im Weiberrat organisierten Frauen erzürnten, galten damals für nahezu alle linken Gruppierungen. Auch für die Spontis, die ja eigentlich Spontaneität auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Alle hatten ihre Gurus, brillante Denker, wortgewaltige Redner und agile Anführer und Strippenzieher, die sich ihren Führungsanspruch nicht so leicht aus der Hand nehmen ließen. Seien es Rudi Dutschke, die Wolff-Brüder oder Hans-Jürgen Krahl vom SDS, der mir mit seiner rasierklingenscharfen Stimme heute noch im Ohr ist. Oder bei den Spontis Dany Cohn-Bendit, der Dauerredner mit seiner polternden Stimme. Oder Joschka Fischer, der Mann der Aktion damals. Und alle hatten ihr Fußvolk, das sich zu Füßen der strahlenden Führungsfiguren niederließ. Ich fühlte mich einsam in dem ganzen Trubel, fand mich zwischen allen Stühlen sitzend wieder. Vielleicht war ich auch zu sehr auf Balance, auf Konsens, auf Kompromisse bedacht, richtete mich in einem Nietzschen Zwei-Kammer-System ein, das Rüdiger Safranski in einem Interview einmal so beschrieb: In einer Kammer wird mit Verrücktheit eingeheizt, mit Phantasie, mit Kühnheit, mit Extremismus. In der anderen wird vernünftig herunter gekühlt. Beide Kammern habe ich zu vereinen versucht und eine friedliche Koexistenz beider angestrebt. Ich war leidenschaftlicher, durchaus emotionalisierter Verfechter des politischen Umbruchs, mit viel Phantasie ausgestattet, und ich war zugleich abwägender, analytischer Vernunftmensch, der auf Ausgleich bedacht war. Ausgleichen, Einheizen, Ausgleichen, Einheizen ... Ob das damals der richtige Weg war? Ist solch eine Koexistenz von überbordender Phantasie und Vernunft in einer Person schadlos möglich? Bringt der Mittelweg den Tod? Ich bin mir nicht sicher. Die Verdrängungen der Sechzigerjahre sind in dieser Zeit aufgebrochen und richteten sich mit Vehemenz gegen diejenigen, die verdrängt hatten. Dies vollzog sich nicht ohne Verletzungen gesetzlicher Normen und nicht, ohne menschliche Wunden zu schlagen. Die Leidenschaft, der Einsatz, das persönliche Engagement waren hoch und bemächtigten sich des ganzen Menschen. Die Zeit hinterließ unauslöschliche Spuren. In der Gesellschaft. Auch bei mir. Ich war überzeugter Sozialist, demokratischer Sozialist. Und kämpfte damals für beides: den Sozialismus und die demokratischen Prinzipien und fügte für mich als drittes und viertes Element Liberalität und Toleranz hinzu, ein Mitbringsel der Erziehung meines Vaters. Das war in dieser Dreier-Kombination nicht eben gerade der Hit in dieser Entweder-Oder-Zeit. Die schwarz-weiß dominierte Weltsicht, in der Grautöne kaum vorkamen, wo jede Liberalität als Scheiß-Liberalität, wo Toleranz nicht zum gepflegten und gehegten Grundvokabular gehörte, erschwerte meine eigene
politische Verortung ungemein.
Aber trotz alledem war es eine anregende, erregende und prägende Zeit ... Nichts war mehr selbstverständlich, alles war fließend, wurde hinterfragt, in Frage gestellt, angeprangert: die verkrusteten staatlichen Strukturen, die Atomkraft, die Umweltzerstörung, die Aufrüstung und die Unterdrückung der Dritten Welt, der Militarismus. Es wurde gestritten für mehr Demokratie, für mehr Solidarität und Mitgefühl für die Unterdrückten und Diskriminierten dieser Welt, für mehr sexuelle Selbstbestimmung, für Gleichberechtigung, für das Recht der Frau, über den eigenen Körper selbst bestimmen zu können, für die Emanzipation der Frau und der Homosexuellen. Es wurden Konventionen durchbrochen, um Freiräume zu schaffen für neue Lebensformen und Verhaltensstile.

Ich will nicht richten, den Finger auf die Wunde legen aber schon. Im Nationalsozialismus überwog ein Klima der Angst, getragen von Menschen, die sich vor eigenen, individuellen Entscheidungen fürchteten und Verantwortung, vielleicht sogar ihr Gewissen, auf ein politisches System übertrugen und ihr menschliches Mitgefühl einbüßten. Die Sechzigerjahre wurden geprägt von der Furcht des persönlichen Scheiterns, vor sozialem Abstieg.
Schwäche zu zeigen oder zuzugeben galt als Makel. Ähnlich wie bei den Nazis tendierten die Menschen dazu, individuelle Verantwortung abzuwälzen und an politische Systeme abzugeben (ich verbrenne mir doch nicht die Finger, die da oben werden schon das Richtige machen).
Die Menschen der Republik schwammen in dieser Zeit in einem Meer Gleichgesinnter, die sich nur durch den Grad der Pflichterfüllung unterschieden – und auf einer Schaumkrone des wirtschaftlichen Erfolgs. Die Fußstapfen, die sie an ihren neuen Ufern hinterließen, versandeten, spurenlos und
haltungslos. Sie wiesen denjenigen, die nicht einfach den Weg aus der gebrandmarkten Vergangenheit in die Zukunft extrapolieren wollten und konnten, keinen gangbaren Pfad in eine lebenswerte Zukunft.
Genau diese Haltungen der Generation, die die Nazi-Zeit bis in die Sechzigerjahre geprägt hatte, wollten wir, wollte auch ich, durchbrechen. Wir versuchten, persönliche Verantwortung zurückzugewinnen und in politische Macht umzumünzen, den Spielraum individueller Entscheidungsgewalt zu vergrößern, die Macht der Staatsautoritäten und des Staatsapparats einzudämmen. Wir versuchten, Furchtlosigkeit vorzuleben, keine Angst vor dem Scheitern zu zeigen, die Existenzgrundlagen der Schwachen zu stärken und ein Gewissen, das Nein sagen und Widerstand leisten kann, zu entwickeln.
...
Obwohl leidend unter den persönlichen situativen Bedingungen, die diese Zeitspanne zu meiner Einsamsten machte, war sie doch gleichzeitig auch meine politischste Zeit überhaupt. Sie hat mein sozial-politisches Gewissen geformt und die Besinnung darauf, selbst Verantwortung zu übernehmen, mich persönlich einzusetzen und meinem Gewissen zu folgen, wenn ich es für richtig hielt – zu sagen: nein, so geht das nicht!


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© Henning Schramm