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Bild: Jo Albert, Frankfurt

Ein interessanter Frankfurter Künstler, auf dessen Ausstel-lung ich aus meinem Buch 'Recht auf Ineffizienz' las.

 

Neu: Populismus: Merk-male und Bedeutung.

Meine Anmerkungen zu diesem Thema finden Sie unter Essays und Ausätze.

 

(Käthe Kollwitz)

 

Die rechtsradikalen Tendenzen in der Gesell-schaft bleiben aktuell und explosiv.

Lesen Sie dazu meinen Roman Flammenbilder und den aktuellen Essay

Mehr Mut braucht die Gesellschaft in der Rubrik Essays und Aufsätze.

Als Literatur zu dieser Thematik empfehle ich auch Madeleine Albright: Faschismus. Eine Warnung.

(Eine kurze Buchbesprech-ung finden Sie hier unter Buchbesprechungen.)

Banken-crash und Finanzkrise

2008

 

 

 

Es ist jetzt über 10 Jahre her, dass die Finanzkrise die Welt erschütterte ... und wie wenig ist seither passiert.

Zu diesem denkwürdigen Geschehen von damals möchte ich Sie an meinen Roman Paula M. erinnern, in dem ich, so die Wetter-auer Zeitung vom 1. 12. 2012, "einen sezierenden Blick auf die Gesellschaft und ihre Eliten werfe, die die Welt im Jahr 2008 in eine wirtschaftliche Kata-strophe geführt haben. In den Personen spiegeln sich die existenziellen Anfecht-ungen und Herausfor-derungen der Menschen in einer von ökonomischen Interessen überlagerten Welt..."

Weiter empfehle ich dazu meinen Essay: Demokratischer Marktsozialismus. Ansätze zu einer bedürnisorientierten sozialen Ökonomie.

 

Theodor W. Adorno in Frankfurt bei einem Vortrag im Studierenden Haus im Jahr 1968.

Anlässlich des Jubiläums    50 Jahre 1968er

empfehle ich Ihnen/Euch als Lekture meinen Essay:
Wirkungsgeschichte und politische Rezeption der Kritischen Theorie in den 60er Jahren.

 

Besuchen Sie auch meine Autorenseite Henning Schramm  auf Facebook. Ich würde mich freuen, wenn sie Ihnen gefällt.

Ich bedanke mich über das rege Interesse an meiner Homepage mit jetzt über 145.000 Besuchern.

Auszug aus: Kapitel X

 



Plötzliche Böen kündigten ein schweres Gewitter an. Der Himmel war bleigrau. Er schaltete das Licht an. Die dunklen Wolken hingen tief, sie waren übervoll mit Wasser. Von einer Sekunde auf die andere entleerten sie sich. Wie aus einer geöffneten Schleuse stürzte sich scharfer, prasselnder Regen auf das Auto. Er nahm Boris die Sicht. Er überlegte kurz, ob er anhalten sollte, verlangsamte dann aber doch nur die Fahrtgeschwindigkeit. Mit weniger als fünfzig Kilometer pro Stunde schlich er auf der Autobahn in Richtung Karlsruhe. Die Städel-Dozentin Isabelle Graw würde dort anlässlich einer Ausstellung mit Werken von Jeff Koons einen Vortrag über den Strukturwandel im Verhältnis von Kunst und Markt halten. Er kannte zwar das Buch von ihr zu diesem Thema, hoffte aber, dieser Abstecher würde ihn etwas ablenken können von seinen quälenden Gedanken. Während der Inhalt seines Zigarettenpäckchens schrumpfte, dachte er an die ernsten und zugleich mitfühlenden Worte von Artur Dombrowsky. Querfalten auf der Stirn zeigten die vergebliche Mühe, das Durcheinander unter seiner Schädeldecke zu ordnen.
Dombrowsky, der Rechtsanwalt seines Vaters, war ein beleib-ter, kugel- und glatzköpfiger Gemütsmensch. Man durfte sich von der äußeren Erscheinung und seinem verbindlich wirkenden Auftreten aber nicht täuschen lassen. Er war auf seinem Gebiet, dem Strafrecht, ein harter und scharfer Verfechter der Interessen seiner Mandanten und genoss hohes Ansehen bei seinen Kollegen. Boris‘ Vater hatte ihn sofort angerufen und ihn gebeten, seinen Sohn zu vertreten, als er erfahren hatte, dass gegen ihn Anklage wegen Vergewaltigung erhoben worden war. Dombrowsky hat ihm mit seiner tiefen, beruhigend wirkenden Bassstimme möglichst schonend beizubringen versucht, wie ernst die Lage für ihn sei. In Vergewaltigungsfällen, insbesondere auch bei Minderjährigen, habe, gerade bei den Frankfurter Richtern, der Angeklagte mit keinerlei Nachsicht zu rechnen. In Indizienfällen wie diesem, sei die Sache noch komplizierter. Üblicherweise gingen die Richter von dem Wahrheitsgehalt der Opferaussage aus und der Täter müsse nachweisen, dass er unschuldig sei – was oft schwierig war, hatte er vorsichtig noch hinzugefügt. Auf seinen Einwand, dass er doch einen Brief von Hemera bekommen habe, der eindeutig zeigte, dass er sie und sie ihn liebte, deutete sein Anwalt ihm an, dass die Gegenpartei versuchen wird, das Schreiben nach allen Regeln der Kunst auseinanderzupflücken. Liebe ist leider kein Schutz vor Vergewaltigung. Er sollte lieber mit dem Schlimmsten rechnen und auf alles vorbereitet sein. Aus den tiefsten Gründen seiner Seele drangen seine Qualen an die Oberfläche: »Ich bin unschuldig, ich liebe sie. Nein ich vergöttere sie.«
Dombrowsky hatte die Verzweiflung in Boris‘ Blick schon lange bemerkt und ihm gegen Ende des Gesprächs freundschaftlich auf die Schultern geklopft: »Nun lassen Sie den Kopf mal nicht hängen. Ich glaube ihnen. Wir stehen erst ganz am Anfang. Verlassen Sie sich ganz auf mich.«
Er hatte noch hinzugefügt, dass es natürlich vorteilhaft wäre, wenn Frau Gassner wieder auftauchen und alles dementieren würde. Und er schaute ihn fragend an, was wohl bedeuten sollte: haben Sie eine Vorstellung, wo sie sich aufhalten könnte? Boris schien, dass Dombrowsky über diese Frage et-was zu leichthin hinwegging. Es war die Kernfrage. Ohne das Wiederauftauchen des angeblichen Opfers schien dem Rechtsanwalt augenfällig eine Verurteilung kaum noch abwendbar zu sein.
Angst, ohnmächtige Angst, hatte sich seiner bemächtigt und sich in jede Pore seines Seins eingenistet. Die verdoppelten Angstgefühle sowohl um Hemera als auch um seine eigene Person vermischten sich zu einem quälenden Gemenge. Wenn es zu einer Verurteilung kommen würde, was beim derzeitigen Stand der Kenntnisse wahrscheinlich war, hätte er keine Hoffnung mehr. Die Zukunft, der ewige, unerschöpfliche Rohstoff der Träume, hätte sich mit einem Schlag in ein Nichts aufgelöst. Er hätte sich selbst und Hemera für immer verloren.
Boris hatte sich das Gehirn darüber zermartert, wo Hemera sein könnte ...
........


Alles, was Erinnerung aufgehoben hat, wird wiederkehren. Während draußen dröhnend der Regen auf das Dach seines BMW Mini trommelte, dachte er an den Samstag zurück, an dem er seine Party gegeben hatte ....

Er glaubte ihre Blicke körperlich zu spüren, ihre großen, warmen Augen, die ihn damals verträumt anstrahlten. Er fühlte ihre Hand auf seiner Haut, als sie warm über seinen Rücken strich. Als er sich ihr zuwandte, erschien ein Ausdruck der Erwartung auf ihrem Gesicht. Ein suchender Blick, das Festhalten eines unwiederbringlichen Augenblicks. Ein leises Zittern ihrer glatten, leicht von der Sonne gebräunten Schenkel ließ die kaum noch beherrschbare Kraft ihres Körpers erahnen. Weich, warm, empfindsam, schmiegsam war ihre Haut. Obwohl wissend, dass kein Wissen genügt, wenn man denjenigen begreifen will, den man liebt, schien er in diesem Augenblick alles von ihr zu wissen. Sie waren eins: aus der Nähe wollten sie sich, aus der Ferne liebten sie sich. Sie verkörperte für ihn Unendlichkeit und Ewigkeit, die seinen Empfindungen ein Recht auf Dauer verlieh. Was Vergangenheit war, wird fortdauern.
Plötzlich tauchte aus den Wassermassen vor ihm, wie aus dem Nichts, die riesenhaft erscheinende Rückwand eines LKW auf. Er musste stark bremsen und wurde aus seinen Träumen gerissen. Er konzentrierte sich auf den Autoverkehr. Bei Mannheim lichtete sich der nachtschwarze Gewitterhim-mel und erste Sonnenstrahlen durchbrachen die aufgelockerte Wolkendecke als er Karlsruhe erreichte.

»Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Be-deutung und Visualität produzierenden Industrie gewandelt. Extrem teure Künstler wie Jeff Koons werden eben wegen dieser Preise häufig von der Kritik diskutiert. Die Häufigkeit der Erwähnung dieser Künstler in den Feuilletons – vorausge-setzt, sie werden nicht nur negativ diskutiert – hat wiederum Rückwirkungen auf die Preise der Werke. Der Markt beeinflusst die Kritik. Wie die Kunst ist auch der Künstler zunehmend gezwungen, sich selbst zu vermarkten. Er hat die Grenze zwischen Kunst und Markt längst in das Ich verlegt. Er zelebriert sich. Er hat die celebrity culture internalisiert …«
Die Worte der Vortragenden verloren sich im Raum. Boris vernahm nur noch Stimmengemurmel, wie von sehr weiter Ferne. Seine Gedanken waren abgeschweift. Sein sonst weich anmutendes Gesicht wirkte hart und verschlossen. Er sah vor sich Hemera, konnte aber nicht, wie sonst, wenn er malt, das Gesehene in Besitz nehmen. Vor seinem inneren Auge sah er sie unerreichbar, einsam und verlassen in einem finsteren Kellerloch. Tränen kullerten über ihre blassen Wangen. Seine Phantasie spielte ihm einen Streich. Er sah sie im Büßergewand im flackernden Höllenfeuer. Flammen züngelten an ihrem Körper. Verzweifelt wandte sie sich an ihren Gott, der ihr aber nicht helfen konnte, da er sich verleugnete, oder der, wie ihr die Höllenbewohner versicherten, gar nicht existierte.


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© Henning Schramm